Pflegestufe 0

Drei Tage nach der Chemo kann ich mich langsam wieder an den Rechner machen. Die Letzten Tage bestanden fast ausnahmslos aus schlafen. Leider waren und sind die Schmerzen noch immer da und im Vergleich zu der Zeit vor der Chemo auch mehr geworden. Wenn ich z. B. fest auftrete (schon beim einfachen gehen) dann merke ich es im Kopf und ein stechender Schmerz lässt mich anhalten. Mit einem Taschentuch die Nase putzen – undenkbar, zu großer Druck auf den Kopf. Sehr schade alles – wenn das FET-PET nicht die bekannten Ergebnisse gezeigt hätte, ich wäre stark beunruhigt.

Nun aber zur Pfegestufe 0

Im Artikel „Soziale Nebenwirkungen der Krankheit“ hatte ich berichtet, wie kompliziert es für Betroffene sein kann einen, und wenn auch nur geringen, Ausgleich für das bisherige Gehalt zu erhalten. Mir ist es bisher noch nicht gelungen. Im Nachtrag unter dem Artikel vermerkt, gab es von mehreren Mitlesern die Info zur Pflegestufe 0. Diese Stufe haben wohl auch schon ein paar Glioblastom Patienten erhalten, wie ich dann im Hirntumorforum herausfinden konnte. Also, gesagt getan, stellte ich einen Antrag.

Ganz vereinfacht beschrieben geht es bei der Pfegestufe 0 um 100 Euro monatlich. Der Anspruch besteht (genauere Bedingungen bitte parallel nachlesen), wenn 2 der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  1. Unkontrolliertes Verlassen des Wohnbereiches (Weglauftendenz).
  2. Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen.
  3. Unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen oder potenziell gefährdenden Substanzen.
  4. Tätlich oder verbal aggressives Verhalten in Verkennung der Situation.
  5. Im situativen Kontext unangemessenes Verhalten.
  6. Unfähigkeit, die eigenen körperlichen und seelischen Gefühle oder Bedürfnisse wahrzunehmen.
  7. Unfähigkeit zu einer erforderlichen Kooperation bei therapeutischen oder schützenden Maßnahmen als Folge einer therapieresistenten Depression oder Angststörung.
  8. Störungen der höheren Hirnfunktionen (Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, herabgesetztes Urteilsvermögen), die zu Problemen bei der Bewältigung von sozialen Alltagsleistungen geführt haben.
  9. Störung des Tag-/Nacht-Rhythmus.
  10. Unfähigkeit, eigenständig den Tagesablauf zu planen und zu strukturieren.
  11. Verkennen von Alltagssituationen und inadäquates Reagieren in Alltagssituationen.
  12. Ausgeprägtes labiles oder unkontrolliert emotionales Verhalten.
  13. Zeitlich überwiegende Niedergeschlagenheit, Verzagtheit, Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit aufgrund einer therapieresistenten Depression.

Mehr oder minder, je nachdem wen man fragt 😉 , konnte ich hier 2 zutreffende Punkte benennen.

Sehr gute Infos auch hier:

Der Antrag wir an die jeweilige Krankenkasse gestellt und bei mir, kurz vor Ablauf des Monats, einfach formlos per Fax. So ist sichergestellt, dass der Monat in dem der formlose Antrag eingeht, mitberechnet werden würde.

Vorgestern war nun die Begutachtung des Medizinischen Dienstes bei mir zuhause. Ich möchte wirklich nicht zu schlecht über die prüfende Person schreiben, vermutlich hat sie auch einen Job in dem sie von all ihren Kunden ausschließlich angelogen wird und das Ansehen einer Prüferin vom Medizinischen Dienst ist vermutlich auch weit entfernt von dem Ansehen eines anerkannten Berufes wie dem eines Arztes z. B. – wobei meine Prüferin wirklich so wirkte, als hätte sie von Krankheiten Ahnung.

Nun ja – die Befragung lief jedoch ein wenig anders ab und nicht auf die Punkte zugeschnitten. Neben den mir bekannten motorischen Prüfungen, Hand zur Nase etc., gab es fragen zum Zähne putzen und Waschen. Dann gab es kognitive Prüfungen wie dem ständigen subtrahieren von 7 und dem Ausgangswert 100. Als Informatiker machte ich hier 2 Fehler (zu meiner Entschuldigung, es war kein sooo guter Tag) 😉 wurde aber selbst dafür noch gelobt. Ich sollte eine Uhr aufzeichnen und die Uhrzeit 10 nach 10 einmalen … spätestens jetzt war mir klar, das wird vorerst nichts mit der Pfegestufe 0.

Am Ende der Tests wurde mit das Ergebnis dann nahezu auch schon so mitgeteilt. Bei der Pflegestufe, selbst bei 0, geht es darum jemanden zu unterstützen, der bei der Pfege Hilfe benötigt.

Ich persönlich kann mir kauf vorstellen wieviel Unterstützung ich durch meine Frau noch erhalten soll, ja – auch bei der Pflege – bis die Stufe 0 gewährt wird. Und falls dieses einmal passieren sollte (ich hoffe nicht!), dann möchte ich wirklich den Gegenwert der Leistungen der pfegenden Person mit 100 Euro monatlich gegengerechnet sehen.

2 Gedanken zu “Pflegestufe 0

  1. Lieber Patric
    Seit du im Hirntumor forum deinen Blog veröffentlicht hast lese ich mit und bin beeindruckt wie du mit deiner Krankheit umgehst.
    Lass dich vom MDK nicht unterkriegen. Wie immer muss man erst Widerspruch einlegen. Habe da so meine Erfahrungen, habe einen behinderten Sohn und hatte erst Pflegestufe 1 und später wurde es dann auf 2 hochgestuft. Einer Freundin wurde die gerechtfertigte Pflegestufe 3 zuerst verwehrt, da ihre Wohnung zu ordentlich sei!?! Bekam dann gerichtlich recht.
    Vielleicht könntest du dir auch von deinem Neurologen gewisse Defizite bescheinigen lassen. Gut wäre es sicher auch, wenn deine Frau dabei wäre und ihre Sicht der Dinge beiträgt. Ist erfahrungsgemäß aber viel schwieriger Defizite darzustellen, als das zu beachten was gut ist.
    Ich habe gewisses Verständnis für die Damen vom MDK, aber sie sehen auch immer nur eine kurze Momentaufnahme der jeweiligen Situation. Die Tests haben da so ihre Grenzen.
    Will dich nur bestärken das Ergebnis so nicht hinzunehmen, auch wenn es zermürbend sein kann.
    Wünsche dir weiterhin viel Kraft und alles Gute!!
    Grüße Majeb (Nicola)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s